Beziehungen

Beziehungen

Jeder sehnt sich nach einer guten Beziehung, aber den wenigsten Menschen gelingt es, diese dauerhaft zu erhalten. Wie glücklich sind wir, wenn wir frisch verliebt sind! Das Leben erscheint uns bunter und leichter und wir fühlen uns strahlend und voller Energie.

Wir haben tausend Ideen, wie wir dem Partner zeigen, dass er die wichtigste Person in unserem Leben ist.

Unserer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, dem Anderen eine Freude zu machen. Wir benötigen wenig Schlaf, sehen trotzdem strahlend aus und scheuen keine Mühe, uns für den Geliebten schön zu machen.

Wir interessieren uns für seine Hobbys, kennen innerhalb kürzester Zeit die Fußballregeln, obwohl dieser Sport uns bis gestern überhaupt nicht interessiert hat.

Wir zeigen uns von unserer besten Seite, es gelingt uns mühelos, ein wunderbares Menü für zwei Personen zu zaubern.

Dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo wir nicht mehr ohne den Partner leben wollen. Wir finden eine bezaubernde Wohnung, richten diese liebevoll ein und glauben dann, dass wir nun nur noch glücklich sein werden.

Leider zeigt der Alltag schnell die Seiten auf, die wir bisher gut versteckt haben. Wir erinnern uns an unsere Schattenseiten, die wir bisher gut verbergen konnten. Die rosarote Brille verblasst nach und nach und dann beginnt die eigentliche Zeit des Kennenlernens. Hier sind wir dann gefordert, auch die Seiten des Partners anzuschauen, die wir bisher ausgeblendet haben.

Vor uns steht ein Mensch mit all seinen Facetten, genau wie auch wir Farbe bekennen. Nun geht es darum zu schauen, liebe ich den Partner so wie er ist? Oder versuche  ich nun, ihn so zu formen, wie ich ihn gern hätte?

Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass zwar jeder Mensch sich ändern kann, aber dies nur auf seinen eigenen Wunsch tun sollte. Für das Gelingen einer guten Beziehung ist es wichtig, dass beide Partner im Gespräch bleiben. Sich an einem bestimmten Tag verabreden und dann die Zeit nutzen, um ehrlich die Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle offen zu legen. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Liebe am Anfang einer Partnerschaft ein Garant für dauerhaftes Glück ist.

Die meisten Paare können den Zeitpunkt nicht benennen, wo die Gefühle für den anderen schwächer wurden, sich in Gleichgültigkeit und Langeweile verwandelten. Dies ist ein langsamer Prozess und darin liegt auch die Gefahr. Zu viel Gewohnheit ist ein schleichendes Gift für eine Beziehung. Es ist wichtig zu erkennen, wenn der Partner sich zu einem liebgewordenen Möbelstück ohne Bedürfnisse entwickelt.

Ich beobachte immer wieder bei Paaren, dass sich im Laufe der Jahre eine Sprachlosigkeit entwickelt. Man glaubt, man wüsste eh, was der andere denkt oder sagen möchte. Das erweist sich in den meisten Fällen als Irrtum, wenn beide Menschen unabhängig voneinander befragt werden.

Wo ist unser Elan geblieben? Wo der Wunsch, den anderen zu erforschen, ihm Freude zu bereiten? Sich für ihn zu pflegen?

Wir unterliegen dem Irrglauben, dass die anfängliche Verliebtheit ausreicht für ein ganzes Leben,  und ehe wir uns versehen, wissen wir oft nicht mehr zu sagen, was uns anfangs so begeistert hat. Wir können alle Eigenschaften benennen, die uns schrecklich aufregen, aber was ist mit den Attributen, in die wir uns verliebt haben? Die Frage ist, wie erhalten wir unser Zusammenleben lebendig? Wo sind die Schnittstellen, die Gemeinsamkeiten?

Was tun wir für die Gestaltung der Partnerschaft?

Wir dürfen nicht erwarten, dass der andere uns glücklich macht, dafür sind wir selber zuständig.

Wir teilen Tisch und Bett miteinander, aber unsere Gedanken behalten wir lieber für uns.
Warum?

Weil der andere ja wissen muss, was wir denken und uns wünschen? Warum schließen wir den Partner aus unseren Gedanken aus? Haben wir Angst, den anderen durch unsere Offenheit zu verletzen? Oder sind unsere Gedanken so schlecht, dass wir uns derer schämen?

Zeigen wir nur unsere schönen Seiten und verbergen die unschönen, die Schatten? Haben wir nicht den Mut, uns ganz und in allen Facetten zu zeigen? Wenn es so ist, was macht uns Angst?

Den Partner zu erschrecken, ihn zu verlieren, seine Verachtung zu spüren, Angst, nicht geliebt zu werden, wenn wir unsere Schatten zeigen?

Eine gute Paarbeziehung kann nur gelingen, wenn wir den Partner mit all seinen Eigenheiten annehmen und den Mut haben, uns offen und verletzlich zu zeigen.

Intimität und wirkliche Nähe kann erst dann entstehen, wenn ich den anderen an meiner Gedankenwelt teilhaben lasse.

Vielleicht müssen wir in der Partnerschaft mehr von dem Gedanken ausgehen: Was kann ich dem anderen geben, statt immer darüber nachzudenken, dass ich nicht genug bekomme?