Weihnachten in NZ

Der erste Weihnachtstag beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Als ich in die Küche komme, herrscht dort ein ziemliches Chaos. Die gestern angereisten japanischen Gäste haben den Ehrgeiz, ein internationales Menu zusammen zu stellen und ich beobachte gespannt, was in den einzelnen Küchenabschnitten zubereitet wird. Bei mir gibt es Pfannkuchen zum Frühstück, und Vivian schenkt mir Erdbeermarmelade dazu. Taka, einer der Japaner, fragt, ob ich ihm einen von meinen Pfannkuchen abgebe. Er ist immer neugierig, fremde Gerichte auszuprobieren.

Zum Mittagessen zaubern die japanischen Freunde einen riesigen, knusprigen Truthahn aus dem Ofen. Es gibt Tomatensuppe, italienische Vorspeisen und Lasagne, einen englischen Früchtekuchen und Sushi. Wir decken den größten Tisch im Garten, hier finden wir alle ausreichend Platz zum Essen. Die Stimmung ist lustig und entspannt. Wir unterhalten uns über die verschiedenen Traditionen und Rituale in der Heimat.

Meine Gedanken wandern nach Deutschland, wo die Menschen bis zur letzten Minute durch die Geschäfte hetzen, um noch allerletzte Einkäufe zu erledigen, die Oma abzuholen und in wie vielen Familien der Stresspegel bereits vor der Bescherung am Anschlag ist.

Für mich ist es nicht das erste Weihnachtsfest in der Fremde, aber es ist eines der schönsten Weihnachten, die ich je hatte. Hier spielen Geschenke überhaupt keine Rolle, niemand hat irgendwelche Erwartungen an den Anderen. Wir teilen unser Essen miteinander und unterhalten uns über Werte und wie diese sich verändern, wenn man für längere Zeit auf Reisen geht. Was zu Hause einen sehr hohen Stellenwert hat, wird mit der Entfernung plötzlich unwichtig und bedeutungslos.

Vielleicht sollten wir uns allmählich Gedanken darüber machen, dass wir unsere Zeit nicht damit vergeuden, Geschenke zu kaufen, die sowieso niemand braucht. Wie wäre es, wenn wir statt dessen unseren lieben Mitmenschen etwas besonders Kostbares, nämlich eine kleine Spanne unserer Lebenszeit, schenken würden? Statt dessen kaufen wir Dinge, die wir nicht benötigen, mit Geld, das wir nicht besitzen, um damit Leuten zu imponieren, die wir nicht ausstehen können.